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HISTORIE

Moderner Tanz $ HISTORIE

DAS TANZERBE DES MODERNEN TANZES

Welche Persönlichkeiten haben den Modernen Tanz als eine neue tanzkünstlerische Ausdrucksform geschaffen und welche Ausrichtungen, Stile und „Schulen“ haben sich als Hotspots und Netzwerke des Modernen Tanzes herausgebildet?

MODERNER TANZ: Vertreter*innen und Konzepte

Ein Schaubild vermittelt einen ersten Überblick über zentrale Protagonist*innen, Traditionslinien und Systeme, Konzepte und Techniken des Modernen Tanzes :

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Tanzerbe des Modernen Tanzes ist im Sinne der Erinnerungskultur nicht abgeschlossen.

Der Moderne Tanz, insbesondere mit seinen teilweise verhängnisvollen Verflechtungen in der Zeit des Nationalsozialismus sowie sein in Ostdeutschland nach Kriegsende praktiziertes „Überdauern unter der Hand“ ist tanzwissenschaftlich noch zu untersuchen.

Auch die Thematik von Flucht, Migration und deren Folgen ist bis zur heutigen Gegenwart von großer Brisanz und wird sicherlich weiterhin im Fokus von Forschungsarbeiten stehen.

„Gebildete“ Körperfreiheit: Über das Bewegungsfundament der Tanzmoderne 


von Gunhild Oberzaucher-Schüller

Der vorliegende Aufsatz basiert auf einen Vortrag, der auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft MODERNER TANZ am 18. Mai 2023 im Rahmen der Veranstaltung „MOVING & MAPPING MODERNER TANZ 2023: Techniken und Praxis des Modernen Tanzes“ (18.–20. Mai 2023) in Berlin, DOCK 11, gehalten wurde. Im Rahmen eines Arbeitstreffens zum Modernen Tanz fanden verschiedene Formate statt, unter anderem auch dieser Vortrag.
Er steht in engstem Zusammenhang mit zwei früheren Annäherungsversuchen der Verfasserin an den Themenkreis:
* dem Aufsatz „Auftauchen lassen. Über das körperliche Fundament des Modernen Tanzes in Mitteleuropa“ (2017) sowie 
* einer erweiterten Fassung dieses Aufsatzes mit dem Titel „Nachspüren“, der in dem Band „Tanzpädagogik – Tanzvermittlung. Grundbegriffe. Methoden. Anwendungsbereiche“ (2024, i. Dr.).
In beiden Betrachtungen wird versucht, jene Materialien zu finden, die der Tanzmoderne im mitteleuropäischen Raum – in der Praxis – als Fundament dienten. Da das Treffen in Berlin stattfand, schien es naheliegend, den Blickpunkt auf die Geschehnisse der Hauptstadt Deutschlands zu konzentrieren.

Berlin kann dabei als beispielgebend für bestimmte Strömungen einer neuen, durch Bewegung in Umbruch geratenen Szene angesehen werden. Die bestimmende Ausgangsfrage blieb dieselbe: Brachte man – genauer: brachten die Frauen –die Ausbildung betreffend schon Körpererfahrungen mit sich, als man sich in den frühen Zehnerjahren des 20. Jahrhunderts beispielweise Émile Jaques-Dalcroze zuwandte und in den Zwanzigerjahren dann vielleicht in die Berliner Schule von Rudolf von Laban wechselte? Was gab dem Körper Halt, um sich auf die später entwickelten, so verschiedenen Körperkonzepte einlassen zu können?
Die vorliegende schriftliche Fassung des Vortrags hat die ursprüngliche Zweiteilung beibehalten. Der erste Teil widmet sich dem Berliner Schulangebot der „Tänzerischen Körperbildung“ Ende der Zwanzigerjahre, der zweite macht sich auf die Suche nach den Körperfundamenten der ersten Ausbildungswelle.

Ars nova – Eine Würdigung zu Mary Wigmans 50. Todestag

von Irene Sieben

Irene Sieben hat nach abgeschlossener Tanzausbildung bei Mary Wigman im Berlin Tanzpädagogik studiert und war u.a. Mitglied der Gruppe Neuer Tanz Berlin, die 1962 von Manja Chmièl im Tanzstudio von Mary Wigman gegründet wurde. In ihrem Beitrag für die Zeitschrift TANZ (08/09 2023, S. 34-38) erinnert sie an das künstlerische und pädagogische Wirken dieser Pionierin des Ausdruckstanzes und sucht nach den Verbindungslinien zur zeitgenössischen Auseinandersetzung mit dem Tanzerbe von Mary Wigman.

Von Wigman zu Gruppe Motion – Stimmen zum Tanz in Westberlin in der 60er Jahren


Eine von der Video-Künstlerin Andrea Keiz zusammengestellte Geschichte einer tanzkünstlerischen Bewegung, welche im Berliner Tanz-Studio von Mary Wigman in Berlin im Jahr 1962 von Manja Chmièl gegründeten Studiogruppe für Neuen Tanz und mit der Gründung der Gruppe Motion ihren Ausgangspunkt nahm. im Sinne des „Oral History“-Ansatzes erzählen die Schüler*innen von Mary Wigman, Katharine Sehnert, Irene Sieben, Hellmut Gottschild und Leanore Ickstadt Begebenheiten, Begleitumstände und Erinnerungen aus der Nachkriegsgeschichte des Modernen Tanzes. Sie waren an der Gründung der Gruppe Motion beteiligt und Wegbereiter*innen dieser damals neuen Tanz-Avantgarde. Das Filmdokument verdeutlicht die Suche nach neuen Ansätzen und die damalige Übergangs- und Umbruchsphase zu postmodernen und aktuell-zeitgenössischen Tanzströmungen.
Gespräche mit Claudia Feest, Dieter Heitkamp, Heike Albrecht, Andrea Keiz. 
Idee, Kamera, Schnitt: Andrea Keiz (https://www.andreakeiz.de )